ALS Ice-Bucket-Challenge. Und so.

Anfang Juli 2014 , (laut Wikipedia am 14. 7.) war es, als in Amerika die Idee aufkam, sich mehr oder minder freiwillig mit einem Eimer voll Eiswasser zu übergießen und anschließend drei weitere Bekannte zu nominieren, es einem gleichzutun.

Und wenn man nun davon ausgeht, dass seit dem 14.7. genau 46 Tage vergangen sind und an jedem Tag jede der nominierten Personen drei weitere nominiert, welche am nächsten Tag drei weitere nominieren, welche am nächsten Tag drei weitere nominieren, welche am nächsten Tag drei weitere nominieren, welche am nächsten Tag drei weitere nominieren, welche am nächsten Tag drei weitere nominieren …

Dann wären wir (wenn mein Excel jetzt stimmt) am Tag 30 schon bei 7,625 Milliarden Nominierten gewesen und selbst in den entlegensten Dürregebieten der Erde gäbe es jemanden, der auf der Suche nach Eiswürfeln ist, um sie sich gleich wieder eimerweise über die Frise zu kippen.

So musste es mich ja auf kurz oder lang auch treffen. Vielen Dank für Deine Nominierung, liebe Sylvia. Ich nehme die Herausforderung jedoch nicht an.


Während ich die Idee hinter dieser Challenge, die viele meiner Freunde und Bekannten auch gerne angenommen haben, durchaus gut finde – denn schließlich geht es im Endeffekt ja auch um einen guten Zweck, trage ich sie nicht weiter in die Welt. Weil ich sehe, dass sie ihren Zweck erfüllt hat. Ich denke, dass sich jetzt auch im entlegendsten Zipfel der Welt die Menschen wieder daran erinnert haben sollten, dass Spenden eine tolle Sache ist und dass man seinen Mitmenschen, denen es nicht so gut geht wie einem selbst, auch mit etwas Aufmerksamkeit und Empathie durchaus helfen kann.

Wer sich im Internet mit offenen Augen bewegt, dem fällt auf, dass solche Massenphänomene die Menschen faszinieren. Je ausgefallener, desto besser. Die Dinge werden immer verrückter, ein Reiz folgt dem anderen. Und wenn es eben der seltsame Brauch ist, sich kübelweise Eiswasser über den Kopf zu gießen. Es ist für die Beteiligten aufregend, Teil dieses ungewöhnlichen Treibens zu sein. Man kann mitreden, man ist selbst ungewöhnlich, es/man ist cool. Was Marketingfirmen schon seit Ewigkeiten für sich entdeckt haben, hat nun jemand für einen guten Zweck gebraucht. Das psychologische Prinzip dahinter ist dasselbe.

Auch wenn ich mich nun dazu entschlossen habe, diesen “Hype” nun nicht mitzumachen, ist die eigentliche Botschaft bei mir durchaus angekommen. Ich habe ALS nachgeschlagen und ich habe mich (wie viele andere auch) online informiert über die Krankheit und die Schicksale von ALS-Patienten. Mir gingen letztere oft ziemlich nahe, und die Betroffenen und deren Angehörige haben mein Mitgefühl. Soweit ich das in den Medien nachvollziehen konnte, hat der Spendenaufruf auch seine monetäre Wirkung gezeigt, das heisst, nicht nur “Wasser über’n Kopp und gut is’ ” – sondern es wurde tatsächlich gespendet, wo es nötig ist.

Nun werde ich das Eiswasser nicht über meinen Kopf gießen, sondern es dem Wetter angemessen lieber trinken.

Was ich dann noch loswerden wollte: 100 Euro. Und die gehen an die AIDS-Hilfe Frankfurt. Ach so: ab sofort jährlich.

Hobbela.

Einer aus der Reihe.

Wir leben in einer tollen Welt, wollte ich heute noch einmal festgestellt haben. In einer Welt, die es erlaubt, Freitags nach der Arbeit ohne besonderen Aufwand 650km weiter die Mutter in den Arm nehmen zu können. Weil sie es einfach einmal ganz dringend braucht.